Danke schön! Thank you!

Stillleben von Robert Seuffert jun., 1948 / Flowers by Robert Seuffert jun., 1948

Kein Tagebucheintrag heute, sondern Blumen als Dankeschön für unsere Leserinnen und Leser – Sie alle haben seit dem Start vor neun Monaten 10.000 Mal Klaras Tagebuch und 30.000 Mal die Seiten im Blog besucht. Röbi hat das Bild 1948 gemalt. Im gleichen Jahr kam Clare zum ersten Mal mit ihrer Mutter Lotte zu Besuch auf den Knipscherhof. Ein Blumenstrauß also aus der Zeit des ersten Treffens von Klara-Lotte-Clare.

No entry in the diary today, but flowers for you, to say thank you for visiting Klara’s blog 10.000 times since its start nine months ago, and klicking the pages 30.000 times. Röbi painted this picture in 1948. 1948 is also the year when Clare came to Germany for the first time with her mother Lotte to visit her grandmother on Knipscherhof- so the flowers also are from the same time the first meeting of Klara-Lotte-Clare took place.

Ich werde die hochwichtige Gestapo fragen / I will ask the distinguished Gestapo

Das EL-DE-Haus war von 1935 bis 1945 Sitz der Kölner Gestapo und ist heute NS-Dokumentationszentrum. / The EL-DE-House was the Gestapo headquarter of Cologne from 1935 till 1945 and today is a NS-Documentation Center. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_d022816_059. Fotografin Marion Mennicken. https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05141846

1. September 1941

Lange habe ich mich mit meinem lieben Lottenkind nicht mehr schriftlich unterhalten. Schriftliche Lebenszeichen bekomme ich überhaupt nicht mehr. Rotes Kreuz! Der reinste Hohn. Wie oft habe ich schon geschrieben, vergebens. Ich habe mir schon gedacht, die hochwichtige Gestapo zu besuchen, zu fragen, ob etwas von dir angekommen ist, denn ich bin überzeugt, dass du schon öfter geschrieben hast. Also ich werde hingehen und fragen.

Gestern war Bibas Urlaub zu Ende. Er ist Fallschirmjäger und war auf Kreta eingesetzt. Röbi hatte auch 8 Tage Urlaub und muss heute Abend wieder fort. Ja Liebchen, allen beiden wird es schwer von zu Hause fortzugehen. Wann mögen wir mal wieder alle in Frieden und Freude vereint sein. In der letzten Nacht war es mal wieder toll, wo wissen wir nicht. Wir sind schon zufrieden, dass uns nichts passiert ist. Morgen muss ich sehen, dass ich wieder etwas ins Haus bekomme. Röbi und Biba haben mich leer gefressen.

Es heißt, dass es polizeilich verboten ist zu hamstern. Aber was ist im hl. römischen Reich nicht alles verboten und im dritten Reich noch mehr. Also gehe ich, hole Kartoffel, Eier, Milch und was ich sonst noch bekomme. Dein Vater ist aus hoher Besorgnis um seine kostbare Gesundheit in den Schwarzwald. Ich habe die Maurer augenblicklich im Haus, um Fliegerschäden zu beseitigen. Ja, das sind alles Sachen, die ich ausfressen muss und ohne Hilfe: Gerade höre ich, das sie diese Nacht das Finanzamt zwischen gehabt haben. Das wird vielen Kölnern sehr sehr leid tun.

Der nächste Eintrag folgt am 19. September. Alle bisherigen Einträge auf der Seite “Das Tagebuch”.

1 September 1941

It has been a long time since I had a written conversation with Lotte, my beloved child. I do not get any letters anymore at all. The Red Cross? No hope. How often have I written there. I have even thought of going to the distinguished Gestapo to ask if anything has come from you for I am sure you will have written. I will go and ask them.

Yesterday Biba’s leave was over. He is a parachutist and stationed in Crete. Röbi had eight days leave and has to go this evening. It will be hard for both of them to leave. When will we be allowed to be all together again and live in peace and happiness. Last night there was a dreadful raid, we do not know where. We are just thankful that nothing has happened to us. Tomorrow I will have to find food for us because Röbi and Biba have eaten me out of house and home.

They say that it is a criminal offence to hoard food. Well all sorts was forbidden in the Holy Roman Empire and even more in the Third Reich so I shall go to get potatoes, eggs, milk and anything else I can get hold of. Your father is still protecting his expensive skin in the Black Forest. I have got the builders repairing the damage in the house. These are all worries I have to handle without help. I have just heard that last night the tax office was hit. I am sure a lot of Cologne people will be sorry about that!

Next entry on September 19. For all entries up to the current date see “The Diary”.

Der Bildhauer aus Süddeutschland / The sculptor from the South

Heute mal kein neuer Eintrag im Tagebuch, sondern ein Bild, das wir dem Kölnischen Stadtmuseum und dem Museumsdienst Köln widmen – weil sie das Tagebuch so toll begleiten! Das Porträt, gemalt von Robert Seuffert sen., zeigt dessen Vater Matthias Seuffert. Er war Bildhauer, kam in den 1870er Jahren aus Süddeutschland nach Köln und arbeitete an den Skulpturen am Kölner Dom mit. Daher auch die Beziehung von Klaras Mann Robert in den Schwarzwald, wohin er sich so oft zurückzieht, während sie allein in Köln bleibt.

No new entry today in the diary, but a picture, dedicated to Kölnisches Stadtmuseum and Cologne Museum Service – because they accompany the diary with so much attention! The portrait by Robert Seuffert sen. shows his father Matthias Seuffert, a sculptor who came to Cologne from South Germany in the 1870s and worked on statues of the Cathedral. This is also why Klara’s husband Robert spends so much time in the Black Forest, leaving her alone in Cologne.