Der fünfte ist bestimmt ein Spitzel / One of the five will be an informer

Das EL-DE-Haus in Köln wurde von den Nazis als Gestapogefängnis missbraucht und ist heute NS-Dokumentationszentrum. / The Cologne EL-DE-Haus was used by the Nazi Gestapo and is an NS Documentations Centre today. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_d022816_059

24. Mai 1942, Pfingsten

Draußen Sturm und Regen. In meinem Herzen dasselbe. Nichts von Röbi. Ach, ich will ja schon alles ertragen. Entbehrungen, da sind wir ja schon dran gewöhnt. Aber nicht die schreckliche Ungewissheit, wie es meinem Jungen geht. Nein, das kann ich nicht. Pfingsten ja, wir haben nichts, kein Fett, kein Fleisch, scheußliches Brot, wo sich einem der Magen umdreht. Walter muss heute Morgen arbeiten. Er wird immer blasser und wenn ich mich auch öfter über ihn beklage, ich muss ihn über die schlimme Zeit bringen. Denn hin und wieder bekomme ich doch schon mal von meinen Bauern ein paar Eier oder etwas Milch.

Heute wollte Frau Floeck zu mir kommen, aber sie schrieb mir ab, sie ist sich mal in Bonn satt essen, denn sie hat nichts mehr und vor uns liegt noch eine ganze Woche, ehe die neue Versorgung anfängt. Sie hat in Bonn eine Schwester, die durch ihr Seidenlager immer noch etwas zum Eintauschen hat. Ja, wie viele das machen! Da heißt es, wir, das deutsche Volk, sollen uns selbst helfen, dann hätten wir bald Frieden. Ja diese neunmalklugen Herren sollen uns auch mal dabei sagen, wie wir das machen sollen.

Wenn sich fünf zusammentun, um etwas gegen diese Verbrecher zu unternehmen, dann ist der fünfte bestimmt schon ein Spitzel und die Sache ist schon wieder ex. Dann sind schon mal wieder vier Helden weniger im Deutschen Volk. Denn immer und immer wieder wird es versucht. Ich zerbreche mir mit Bully und andern Gleichgesinnten den Kopf und ich würde mich bestimmt nicht scheuen, wenn ich nur helfen könnte. Denn dann würde ich meinem Vaterland einen größeren Dienst erweisen, wenn ich all dieses kostbare Blut retten helfe, welches sich im Osten, im Westen, im Norden, im Süden verblutet. Wofür? Wo mag mein lieber Junge sein. Wo kämpfen sie.

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24 May 1942, Whitsuntide

Outside storm and rain. In my heart the same. Nothing from Röbi. I will just have to try to bear it. We are used to the privations but the uncertainty about my boy is almost intolerable. No, I cannot do it. Whitsuntide and we have nothing, no fat, no meat and disgusting bread which makes your stomach churn. Walter had to work today. He looks paler and paler and although I complain about him I must get him through this awful time. Because now and again I manage to get a few eggs and some milk from my farmers.

Frau Floeck was going to come today but she wrote to cancel. She has gone to Bonn to get something to eat as she has nothing left and we will not get anything for another week when the new rations are available. In Bonn she has a sister who still has her silk stocks she can trade in. Yes, how many people do these things? They say we, the German people, should look after ourselves and we would soon have peace. Yes, if clever people tell us how we could achieve this we would do it.  

If five people get together to plan to overthrow these criminals, you can be sure that one of the five will be an informer and the plot would be dead.  And that would be four heroes fewer for the German people. Over and over again attempts are made. With Bully and other like minded friends we try hard to think of a way to do it and I would not hesitate if I could only help. Then I would serve my beloved fatherland if I could help save the blood that is spilled east, west, north, and south.  What is the point of it? Where is my beloved boy?

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Der Flieder blühte so wunderbar / The lilac blossom is so wonderful

Familienhaus Wiethaser Straße, Köln
Klaras blühender Garten, vor dem Krieg gemalt von ihrem Mann Robert Seuffert sen. / Klara’s blossoming garden, painting by her husband Robert Seuffert sen. before the war

18. Mai 1942

Gestern war Muttertag: Vater sandte mir Fotos von Röbi und eine schöne kleine Zeichnung zum Muttertag. Ich habe mich sehr gefreut, zumal ich auch den ersten Brief von Röbi bekam, er ist bald 3000 km von der Heimat entfernt. Jetzt kann ich nur für ihn beten. Walter schenkte mir ein paar sehr schöne Engel, Bücher und ein ½ Pfund Kaffee. Ja Lotte, er kostet billig das ½ Pfund 30.- Zeitgemäß! Nachmittags kamen Frau Floeck und ihre Schwester und noch ein paar Bekannte, dann kam noch Minni Bänisch und Walter  war unter all den Damen Hahn im Korb. Jeder brachte sich zu Essen mit. Wir hatten alle Wein besorgt und so war nachher die Sorge um die Lieben im Felde etwas in den Hintergrund getreten. Auch hat uns der Tommy lange in Ruhe gelassen. Gott sei Dank. Unsere Nerven können es vertragen.

Dieses Jahr blühte der Flieder so wunderbar. Unser ganzes Haus war in Blüten und ihren Duft gehüllt. Wie lange noch wird er blühen bis ich euch beide, dich und Röbi wiedersehe?

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18 May 1942

Yesterday was Mother’s Day. Father sent me the photos of Röbi and a nice little drawing for Mother’s Day. I was very pleased as I had also got the first letter from Röbi. Now all I can do is pray for him.   Walter gave me two very beautiful angels, books and half a pound of coffee. Half a pound of coffee costs thirty marks. A sign of the times. In the afternoon Frau Floeck came and also her sister and a few other acquaintances, and Walter was the gentleman with all these women. Everyone brought a bit to eat and we had some wine and so for a while the worries about our loved ones on the battle grounds were pushed into the background. Tommy has left us in peace for a long time now. Thank God. Our nerves could do with a break.

This year the lilac blossom is so wonderful. All around the house it is in bloom and fills the house with its perfume. How many more times will it bloom before I see you and Röbi again?

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